2023
Wer mich nicht kennt, denkt sicherlich bei der ersten Begegnung sowas wie: «Hmm, die ist aber socially awkward.» Oder sowas wie das hier: «Ah sie ist mir gar nicht aufgefallen, sie war so still.» Oder auch: «Ja guut, sie ist etwas viel. Aufgeweckt und ADHD. Ich weiss wirklich nicht, was ich von ihr halten soll.»
Doch kein Mensch kommt auf die Idee genauer hinzuschauen oder gar zu sagen: «Oh wow. Starke Person mit viel Wissen, welche absolut stark ist, wenn sie etwas beginnt. Argumente hat sie auf jeden Fall. So ein starker Mensch, der so viel überlebt hat und immer noch hier ist. Wow.»
Wünsche ich mir das? Ja. Und nein. Ich möchte anonym sein und bleiben und zugleich will ich gesehen werden und, dass die Leute da draussen verstehen wie hart das Leben sein kann, wenn das einzige reale und totale Glück, dass ich jemals erfahren habe die Zeit war, als ich mich zu den Katzen zurückgezogen habe. Ich war allein. Hatte meine Familie bei mir und keine Menschen weit und breit. Und auch damals war es kein wahres Glück. Es war lediglich eine Zuflucht vor der Realität, die ich mir schuf, um etwas Ruhe und Frieden zu haben. Auch wenn dieser nicht echt, nur temporär und irgendwie auch lediglich eingebildet war. Und trotzdem muss ich mich bei meinen Büsis bedanken, denn sie hielten mich so viele Jahre am Leben. Ohne sie hätte ich längst aufgegeben. Denn ich sah sie, beschützte sie. Kein Mensch wagte es, ihnen Schaden zuzufügen oder ihnen nicht genügend essen zu geben oder sie sonst wie respektlos zu behandeln. Denn selbst ER musste realisieren, dass er mir alles antun konnte. Doch legte er Hand an die Katzen oder wurden sie vernachlässigt, wurde ich so powerful, dass selbst er es mit der Angst zutun bekam. Er hätte es niemals so lange überlebt, hätte er die Katzen auch nur angerührt. Und so kam es, dass er den Katzen aus dem Weg ging und sie nicht einmal mehr streichelte. Er hielt sich fern. Denn bei der geringsten falschen Bewegung, wäre er aufgeflogen, denn ich wäre furious geworden, hätte er es auch nur gewagt, sie schief anzusehen. Und so nahmen wir sie zu jedem Wochenendtrip mit und sie wurden immer fürstlich umsorgt.
Ich will, dass Menschen begreifen, dass das reine Existieren für mich die reinste Qual ist und dass diese Katzen das einzige sind, dass mich so lange am Leben erhielt. Und dann kam meine Schwester. Und sie ist noch heute an meiner Seite und hilft mir, das Gute in den Menschen zu sehen. Ich habe mir eine Familie aufgebaut, die nicht länger nur aus Katzen besteht. Die meiner Meinung nach besten Menschen dieses Planeten sind darin vertreten. Auch wenn es noch ein paar Menschen gibt, die da auch reinpassen würden, zu denen ich aber wohl nie richtigen Kontakt aufbauen werde. Doch meine kleine Familie, die ständig wächst und sich verändert aber nie in der Zahl, zeigt mir tagtäglich, dass es sich lohnt an die Menschen zu glauben und Vertrauen zu haben. Ohne sie wäre ich letzten Winter einfach ins Nichts verschwunden. Ohne sie wäre ich vorletzten Frühling nicht aus dem Winterschlaf erwacht. Ohne sie würde ich diesen Herbst nicht überstehen und hätte den Sommer 21’ nicht weitergekämpft. Danke euch!
Du bist der Grund, warum ich schöne Gefühle habe. Du weisst wahrscheinlich nicht einmal, wie wenig ich fühle, wenn ich allein bin. Ich bin leer, traurig, fühle nur Schmerz und Depression. Ich sehe die Dunkelheit und möchte ohne Wiederkehr in die Nacht stürzen, aber dann nehme ich meine kleine grüne und entspanne mich, versuche, an dich zu denken. 15:15 und ich berühre zweimal meine Nase und schließe meine Hand und tue dasselbe mit meiner Stirn. Denke an dich und atme tief ein und aus. Erinnere mich an das Gefühl, bei dir zu sein und bis 16:16 bleibe ich bei dir. Ohne diese Pausen des Tages breche ich regelmässig in mir zusammen, hole den veganen Bastelkleber und klebe die Teile notdürftig wieder zusammen, bis sie wieder fallen und es immer schwieriger wird, sie erst vom Leim zu befreien, um sie dann wieder an ihrem rechtmässigen Platz anzubringen. Doch liege ich mit dir im Bett und fühle deine Wärme, so ist es fast, als würde der Leim schmelzen und sich auflösen und meine Teile leuchten und formen ein ich, dass ich vermisse. Bis es wieder bricht.Also ja, ich wünschte, die Menschen wüssten, wie fucked up es ist, dass ich täglich funktioniere und doch nur existiere. Ohne Zeit würde ich verschwinden, gäbe es kein Vorwärts, dass mich durch die Zeit trägt, würde ich stehenbleiben und der Welt beim Untergang zusehen und dabei erleichtert lächeln und endlich atmen können, denn dann ist alles zu ende. Dann kann ich ruhen und keine Strömung wird mich noch erfassen. Dann bin ich frei und die Zeit hat keine Macht mehr. Ich kann endlich alleine stehen und werde nicht vom Wind der Zeit aufrecht gehalten. Dann bin ich endlich alleine und kann schlafen und schauen und meine Augen sind weit offen, während die Welt vor meinen Augen verschwindet und ich stehenbleibe und ihr beim Untergang zuschaue. Die Zeit hätte keine Bedeutung mehr und ich wäre nur noch die Summe meiner Atome und eine Seele, die endlich frei ist und nichts zerrt mehr an ihr. Sie kann endlich fliegen und tanzen und sich drehen, wie sie will. Denn alles ist vorbei.