Meine Freundin fragt mich, «seit wann findest du pink so cool?», sie hat bemerkt, dass in meiner Welt immer öfter die Farbe pink auftaucht und ich auch mit viel mehr Begeisterung und einem glänzen in den Augen über Dinge spreche, die mit dieser Farbe zusammenhängen. Die Frage befasst sich aber nur vordergründig tatsächlich mit der Fabre, in zweiter und tatsächlich viel spannender Linie bezieht sich meine Freundin auf einige Genderstereotypen und internalisierten Vorstellungen und Vorurteile, welche sowohl sie als auch ich in uns tragen.
Pink ist eine «Mädchenfarbe», Mädchen sind süss und cute und verletzlich und dies zeigt die Schwäche, des ja ohnehin «schwachen und schönen Geschlechts». Sie und ich wissen sogleich, worum es geht und können dieses Gedankengut als äusserst schädlich und problematisch einordnen. Diesen Schritt hat meine Freundin noch nicht gemacht und so fühle ich in ihrer Frage und lese in ihrem Gesicht die Sorge, dass ich nun vielleicht immer «mädchenhafter» und damit «süsser, verletzlicher und schwächer» werden könnte. Denn sie kann sich kaum eine Beziehung vorstellen mit einem «Mädchen», dass sich die Haare pink färbt, süsse pinke Plüschtiere auf der Korkmatte liegen hat und sich auch noch allen Ernstes für diese Farbe begeistern kann.
Stellt dies ein Problem dar? Für mich? Ja? Nein?
So einfach ist dies nicht, denn auch ich habe diese Vorstellungen und Stereotypen internalisiert (verinnerlicht) und ich mache mir dies tagtäglich bewusst um dagegen ankämpfen zu können. Und so bemerke ich im Augenblick der Frage, wie ich, ohne es tatsächlich bewusst und gewollt zu tun, die Farbe pink und meine Begeisterung dafür kleinrede. Ich sage, die Plüschtiere habe ich gewonnen und ja, ich möge violett, weil es Feminismus sei und vergrabe im selben Augenblick mein Gesicht in ihre Brust. Denn so muss ich nicht weiter darüber sprechen, wie toll ich die Farbe pink eigentlich finde. Nicht «nur» violett. PINK! Ich liebe die Fabre, sie ist knallig und stark und sie leuchtet unter Schwarzlicht. Wie könnte ich die Farbe nicht feiern? Ich möchte meine Haare pink färben, nicht nur rosa oder violett oder pastell; pink, knallig und laut und kräftig. Denn pink ist nicht schwach oder süss oder kränklich oder eine «Mädchenfarbe». Es ist eine Farbe, die von der Gesellschaft Eigenschaften zugeordnet bekommen hat, welche zugleich die Existenz von mehr als zwei Gendern leugnet und erst kürzlich – viel zu spät – die Ehe für Alle angenommen hat. Wobei diese Ehe tatsächlich immer noch nicht für alle ist und definitiv noch keine Gleichberechtigung darstellt. Eine Farbe bekommt also Eigenschaften und ich schäme mich dafür, dass ich sie gut finde.
Doch sei es, weil mir Anna gesagt hat, dass sie sich nie getraut hat, diese Farbe toll zu finden, weil sie als typische «Mädchenfarbe» galt und sie es nun endlich geschafft hat sich diese Fabre zu eigen zu machen und den Gesellschaft-gemachten Vorurteile und Stereotypen die Aufmerksamkeit und Macht zu geben, die sie verdienen; keine. Oder aber die Tatsache, dass ich mich so viel wohler fühle in meinen violetten Bettlaken und umgeben von meinen pinken Plüschtieren, ich weiss es nicht. Aber ich werde mir dieses Gefühl nicht nehmen lassen und ich werde die Farbe pink feiern und umarmen und mir zu eigen machen und in meinen violetten Lacken schlafen und mein Leben geniessen in den starken und schwachen Momenten gleichermassen. Und in all diesen Momenten wird mich die Fabre pink und die Stärke, die sie für mich ausstrahlt, begleiten. Mit meinem kleinen, pinken Plüschpanda (bitte teilt mir nicht mit, was es für ein Tier ist, ich mag es, es nicht zu wissen), meinem koffeinfreien Kaffee und meinen Freund:innen werde ich durch mein Leben gehen und wir werden gleichermassen einander feiern, egal welche Farben uns begleiten. Powerful und unterstützend werden wir diese Welt Stück für Stück für uns erobern und unseren Weg, zusammen, finden. Mit oder ohne die Farbe pink. Für mich definitiv mit.
Sincerely, Lia.