Questions from Friends I

«Scheib doch uf wie du di gd füelsch»

Ich lasse mich trieben von dieser Frage, denn ich weiss sonst nicht, wie ich überhaupt in Kontakt mit mir selbst kommen könnte. LM fragt mich, wie es mir geht doch ich kann es ihr nicht beantworten. Nicht wirklich. Ich fühle mich, als wüsste ich nicht, wie ich mich fühle. Verloren. Verschollen, abgebrannt und weggeblasen.

Schreibe doch auf, wie du dich gerade fühlst, sagt sie. Ich fühle kleine, kalte Punkte durch meine Haut fliessen. Ich fühle sie in meinen Beinen, Armen und auf meiner Kopfhaut. Mein Gesicht bleibt verschont, doch es fühlt sich sowieso bereits seit langem nicht mehr wie mein Gesicht – meine Identität.

Meine Identität¿

Ich bin 26 Jahre alt und fühle mich doch so oft wie 15, gefangen und ohne Autonomie. Doch ich bin 26 Jahre alt und habe die freie Wahl, was ich machen will. Begrenzt durch tausend Faktoren doch frei im Kern. Die Punkte sind wieder da. Sie geben mir Raum zum atmen, sie lassen mich fühlen, als ob mein Körper grösser ist, als er wäre, als ob die Haut mich nicht länger einengt und zerquetscht. Meine Haut – meine Identität – ist, was mich hier hält. Meine Menschen – mein Leben – sind, was mich nicht gehen lässt. So gerne möchte ich loslassen, doch ich bin eingebunden in einem System, dass mich will. Ohne mich – meine Haut, mein Gesicht, mein Gehirn – würde etwas fehlen. Sie wollen mich in ihrem Leben, auch wenn es für mich keine Gründe gibt. So oft sie mir Gründe nennen, ich sehe es nicht. Ich sehe tausend Gründe mich loszulassen, doch sie sagen nein. Ich frage nicht, doch sie antworten – laut. Nichts hilft und die Punkte sind wieder da. Meine Beine fühlen sich kalt und grenzenlos. Würde ich sie bewegen, würden sie sich nach mir anfühlen? Würde ich meine Identität spüren, kennen, annehmen können? Wäre es eine Identität, die passt zu meiner Wahrnehmung? Schwierig dies zu beantworten, solange ich meine Wahrnehmung nicht kenne. In mir kenne ich die Wahrheit, dass all diese Gefühle und Gedanken, diese Wahrnehmungen, die mir fehlen und mich doch überfordern nicht wirklich zu mir gehören. Ich bin nicht das Gefühl, die Wahrnehmung. Das Gefühl, die Wahrnehmung ist lediglich existent als Gefühl, als Wahrnehmung. Und mental kann ich mich doch nicht distanzieren, denn es fühlt sich real an, überwältigend, überfahrend und alles verschlingend. 23:01 an einem Mittwoch und ich weiss, heute Nachmittag war kein freier Nachmittag, seit Jahren nicht. Doch vermeide ich den Tag, da ich nur dann zur Ruhe kommen kann wenn die Sonne scheint und die Welt mich erweckt. Nur dann kann ich schlafen, wenn alles wach ist, wenn alle Augen sich öffnen und ich nicht mehr alleine bin. Ich bin alleine in mir doch niemals in der Welt – ausser bei Nacht. Alles ist still und nichts scheint, alle Augen geschlossen und die bösen Geister bewegen sich regungslos, denn keine:r schaut zu. Und was nicht gesehen wird, passiert nicht. Nicht wirklich. So bin ich wach und versuche alles zu sehen, meine Augen zu öffnen und nichts zuzulassen. Doch ich kann nicht den ganzen Tag schlafen, nur weil ich mich nur bei Sonnenschein sicher fühle. Ich kann nicht bei Nacht wachen, nur weil ich bei Dunkelheit die Angst verspüre der ganzen Zivilisation. Ich muss schlafen bei Nacht und doch scheint es mir unmöglich, denn die Stille frisst mich auf. Die Stille zerdrückt mich, engt mich ein und nimmt mich in ihr auf, bis ich ganz eng eingeschlossen, nicht mehr entkommen kann.

EGAL WIE SEHR ICH WILL, DASS ALLES GUT IST – DIE PUNKTE BLEIBEN.

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