First

The one that gets it.

In diesem Moment höre ich mir ein Video meiner Freundin (S) an, welches ich mit ihrer Erlaubnis aus einer Sprachnachricht zusammengeschnitten habe. Ich höre ihr beruhigendes «und einatmen, … , und ausatmen, …» auf Dauerschleife. Sobald das Video nach etwa 10 Durchgängen fertig ist, setzt mein Herz kurz aus und die Panik kommt zurück. Mein Atem stockt und ich zerfalle in meine Gedankenwelt voller Monster und Dämonen, ohne Hoffnung und Menschen. Nur ich mit meiner Angst und meiner Dunkelheit. Ich muss das Video erneut starten. Ich habe nun eine Katze (N) auf meinen Beinen, sitze im Schneidersitz da und die Katze rollt sich darin zusammen. Ihre kalte Nase berührt die meine und kurz vergesse ich meinen Schmerz. Sie schnurrt ganz süss und lehnt sich gegen meinen linken Arm. Ich versuche mir meiner rechten Hand so gut es geht zu schreiben und mit links halte ich das kleine Fellbündel in der Hand. Ich spüre ihr Gewicht, wie es gegen meine Hand und meinen Arm drückt, im Hintergrund höre ich das vertraut repetierende «einatmen, …, ausatmen, …», welches dafür sorgt, dass ich mich sicher fühle und voller wärme.

S hat mich gefragt, ob sie mich besuchen oder etwas anderes tun könne. Ich habe sie heute nicht zu mir kommen lassen, da meine Gedanken zu düster sind und ich sie dem kein zweites Mal aussetzen will. Bereits vor ein paar Tagen leistete sie mir Gesellschaft und als ich mit ihr in meinen Armen einschlief, war es mir möglich, ganze zehn Stunden lang durchatmen und das ganz ohne Furcht und böse Träume.

N, die Katze tritt mich mit ihren Hinterbeinen, sie will sich drehen. Ich mache also Platz für sie und sie dreht sich weg. Legt ihre Pfote auf das Mousepad meines Laptops und versucht, ihren Platz zu finden. Schliesslich legt sie ganz selbstbewusst ihre Pfote auf meine tippende rechte Hand. Sie fährt ihre Krallen aus und ein, ohne mich dabei tatsächlich zu berühren. Sie liegt auf meinen Beinen, zusammengerollt und ruhig, schnurrend, ganz leicht. Vertraute Gefühle, herzerwärmend.

«Und einatmen, …, und ausatmen.» Meine Freundin hilft mir dabei, nicht zu verzweifeln, nicht in Panik zu geraten, wie letztes Mal. Die grösste Angst, die ich habe ist, dass es wieder ganze fünfundzwanzig Minuten dauern könnte, bis ich mich aus deren Fängen befreien könnte. Was mich dann befreite, war ihre beruhigende Stimme in Dauerschleife über mein Tablet zu hören.

N hat seine Position inzwischen erneut geändert. Sein Kopf ruht auf meinem rechten Unterarm und seine Nase reibt er immer wieder an meinem linken. Ich soll ihn streicheln, für ihn da sein. Ich will es, ich fühle mich wohl mit ihm, er gibt mir Sicherheit. Oder ist es doch das Video, welches nun als Hintergrundgeräusch meine Ruhe sichert?

Ich schreibe hier, weil eine Freundin mir heute den Tipp gegeben hat, dass ich, wenn ich nicht mehr weiter weiss und meine dunkelsten Gedanken überhand nehmen, schreiben soll, malen soll, kritzeln soll, alles rauslassen soll, damit es nicht mehr mein inneres zerfressen kann.

First

First

In diesem Moment höre ich mir ein Video meiner Freundin (S) an, welches ich mit ihrer Erlaubnis aus einer Sprachnachricht zusammengeschnitten habe. Ich höre ihr beruhigendes «und einatmen, … , und ausatmen, …» auf Dauerschleife. Sobald das Video nach etwa 10 Durchgängen fertig ist, setzt mein Herz kurz aus und die Panik kommt zurück. Mein Atem stockt und ich zerfalle in meine Gedankenwelt voller Monster und Dämonen, ohne Hoffnung und Menschen. Nur ich mit meiner Angst und meiner Dunkelheit. Ich muss das Video erneut starten. Ich habe nun eine Katze (N) auf meinen Beinen, sitze im Schneidersitz da und die Katze rollt sich darin zusammen. Ihre kalte Nase berührt die meine und kurz vergesse ich meinen Schmerz. Sie schnurrt ganz süss und lehnt sich gegen meinen linken Arm. Ich versuche mir meiner rechten Hand so gut es geht zu schreiben und mit links halte ich das kleine Fellbündel in der Hand. Ich spüre ihr Gewicht, wie es gegen meine Hand und meinen Arm drückt, im Hintergrund höre ich das vertraut repetierende «einatmen, …, ausatmen, …», welches dafür sorgt, dass ich mich sicher fühle und voller wärme.

S hat mich gefragt, ob sie mich besuchen oder etwas anderes tun könne. Ich habe sie heute nicht zu mir kommen lassen, da meine Gedanken zu düster sind und ich sie dem kein zweites Mal aussetzen will. Bereits vor ein paar Tagen leistete sie mir Gesellschaft und als ich mit ihr in meinen Armen einschlief, war es mir möglich, ganze zehn Stunden lang durchzuatmen und das ganz ohne Furcht und böse Träume.

N, die Katze tritt mich mit ihren Hinterbeinen, sie will sich drehen. Ich mache also Platz für sie und sie dreht sich weg. Legt ihre Pfote auf das Mousepad meines Laptops und versucht, ihren Platz zu finden. Schliesslich legt sie, ganz selbstbewusst, ihre Pfote auf meine tippende rechte Hand. Sie fährt ihre Krallen aus und ein, ohne mich dabei tatsächlich zu berühren. Sie liegt auf meinen Beinen, zusammengerollt und ruhig, schnurrend, ganz leicht. Vertraute Gefühle, herzerwärmend.

«Und einatmen, …, und ausatmen.» Meine Freundin hilft mir dabei, nicht zu verzweifeln, nicht in Panik zu geraten, wie letztes Mal. Die grösste Angst, die ich habe, ist, dass es wieder ganze fünfundzwanzig Minuten dauern könnte, bis ich mich aus deren Fängen befreien könnte. Was mich dann befreite, war ihre beruhigende Stimme in Dauerschleife über mein Tablet zu hören.

N hat seine Position inzwischen erneut geändert. Sein Kopf ruht auf meinem rechten Unterarm und seine Nase reibt er immer wieder an meinem linken. Ich soll ihn streicheln, für ihn da sein. Ich will es, ich fühle mich wohl mit ihm, er gibt mir Sicherheit. Oder ist es doch das Video, welches nun als Hintergrundgeräusch meine Ruhe sichert?

Ich schreibe hier, weil eine Freundin mir heute den Tipp gegeben hat, dass ich, wenn ich nicht mehr weiter weiss und meine dunkelsten Gedanken überhand nehmen, schreiben soll, malen soll, kritzeln soll, alles rauslassen soll, damit es nicht mehr mein inneres zerfressen kann.

19. Dezember 2022


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